Der Laufclub 21 - Rennsteiglauf 2017 - Coach Werner und sein Supermarathon

 

Am Rennsteig 2017 war für den Laufclub 21 alles drin, sogar ein Supermarathon. Coach Werner hat wie alle 21er ganz fleißig trainiert, ab und zu hat er ein paar Kilometer im Training noch drangehänkt, denn er hatte große Pläne...

Vom Rennsteiglauf 2017 (1867 hm) Deutschlands beliebtester Landschaftslauf auf dem Höhenweg des Thüringer Waldes


Es ist dieses tolle Gefühl. Irgendwann unterwegs kommt es. Wenn alles nur noch schön ist, man wie von selbst läuft und spürt, dass man lebt. Egal, ob warmer Sonnenstrahl oder kalte Schneeflocke, ob das Fahrgestell protestieren will oder nicht. Wir kennen das alle. Geht aber leider auch schnell vorbei. Nur hier nicht, am Rennsteig. Da hört es erst im Bus bei der Rückfahrt auf.
Alles beginnt in der Stadtverwaltung von Eisenach. Meine Startunterlagen holte ich bereits am Vorabend ab.
Mehr als 2000 Ultraläufer gingen am nächsten Tag an den Start. Das Wetter meinte es gut mit uns. Die Temperatur lag bei sehr angenehmen 11°C bis 15°C.
Der Marktplatz ist gerammelt voll, im Gedränge trifft man sich, letzte Grüße und um 6 Uhr fiel der Startschuss.
Die ersten Km durch den Ort gingen nur schleppend voran, was man eigentlich für gut heißen sollte. So wird man wenigstens noch ein wenig gebremst und überpace’t nicht gleich. Alle traben gemütlich durch die Stadt in den nahen Wald. Der Rennsteig ist weit oben. Und zum Großen Inselsberg sind es 25 km Distanz stets nur aufwärts.

Sehr schnell erreichen wir die „Hohe Sonne“ und folgen nun dem "R" für Rennsteig. Für den Lauf ist alles perfekt beschildert, dafür sorgen unzählige Helfer. Die kümmern sich auch liebevoll alle paar km mit der Versorgung um uns. Es soll uns an nichts fehlen. Wie auf einer Waldautobahn geht’s dahin. Ohne Gedränge sortiert sich das Feld, je nach Tempo oder Kondition. Überall dazwischen sind Traditionsläufer, also "alte Hasen", die schon seit Jahrzehnten hier laufen.
Freude in den Gesichtern an der Versorgung. Endlich eine Stärkung. Ganz besonders der Schleim. Der Schleim heißt hier Suppe. Liest sich irgendwie komisch. Aber das ist der Zaubertrank, ewig bewährt, oft kopiert und nie erreicht. Und auch mal vergriffen!
Die Ersttäter (so wie ich) auf der Strecke begegnen dem Schleim mit Argwohn. Sie trauen dem Braten nicht und meiden ihn. Aber es gab auch viele andere thüringische Spezialitäten. Also für jeden etwas.
Steilpassagen werden konsequent gegangen. Das machen alle so. Die Flitzer sind ja schon weg. Körnchen sparen, da kommt noch was.... Ankunft auf dem „Großer Inselberg ( 25,5 km / 916 m )“. Auf dem Berg stehen die riesigen, eindrucksvollen Sendeanlagen. Flotte Musik gibt’s und eine erste Zwischenzeitnahme. Und mein erstes schönes Erinnerungsfoto.

Vorsicht ist beim Abstieg geboten! Auf nur 1,3 km geht es einige Treppenstufen und einen steilen Weg bergab auf 725 m zur Verpflegungsstelle „Grenzwiese“ (26,8 km).
Unten nach steilem Asphalt beginnt das Mittelstück, eher wellig, in schönem Mischwald. Gelegentliche Aussichten nicht verpassen! Aus der Ferne, noch ganz leise, aber schon deutlich: eine Trompete. Ein Solo. Richtig gut. Dann setzt auch die Kapelle ein. Applaus, Applaus! Die nächste Verpflegungsstation ist die „Ebertswiese“. Halbzeit. (37,5 km / 720 m). Die Hälfte der Strecke ist geschafft.
Wohl der beliebteste VP, auch einer der schönsten. Mit bunten Fähnchen geschmückt. Volle Versorgung mit Knackern, Brötchen und Senf noch dazu. Man möchte gar nicht mehr weg.
Weiter geht’s auf recht welligem Grund. Manche Anstiege sind dazwischen, die Gehpausen werden ausgedehnt. Zeit für Gespräche. Ein paar Minuten gequasselt und schon ist der Berg vergessen.
Über die teilweise steilen Aufstiege "Neue Ausspanne“ (714 m), " Krämerod“ (765 m), "Sperrhügel" (869 m) und „Schmalkalder Loipe“ (881 m) erreicht man die Verpflegungsstelle „Neuhöfer Wiesen“ (45,4 km / 850 m).
Unterwegs wunderte ich mich immer wieder wo die Zeit hin ist...“es ist 12 Uhr und du bist schon über die 42,195 km hinaus“ – einfach verrückt.

Bei Kilometer 54,7 erreicht der Supermarathoni den „Grenzadler“ (842 m). Eine Riesenanlage. Über die Parkplätze zum VP. Hier in der Nähe liegt Oberhof und hier war auch der Start des Halbmarathons. Über 6500 Läufer! Aber alle sind längst weg.

Für uns etwas verwirrend: die HM-Strecke hat eigene km-Schilder, die stimmen noch nicht ganz mit unserer Restdistanz überein. Wer beim Kopfrechnen nicht klarkommt, nicht wundern: die laufen noch 1-2 Umwege und wir aber gerade durch.
Kurz vor km 60: ein VP mit Moderator. Jeder wird kommentiert, nett und motivierend.
Seltsam, die Kilometer werden immer weniger und ich bin noch gut drauf. Für alle steht der Anstieg zum Großen Beerberg bei (62,2 km / 980 m) an, welcher der höchste Punkt des Thüringer Waldes ist . Erst ab "Schmücke" passt es wieder. Jetzt geht es zur letzten Getränkestelle „Kreuzwege“ bzw. „Bierfleck“ (68,8 km / 822 m). Dem Namen entsprechend erhält man am „Bierfleck“ erfrischendes Köstritzer Schwarzbier.
Im VP Schmücke lüftet sich ein ganz klein wenig der Schleier des ewigen Geheimnisses: Kölln-Flocken nimmt man als Schleimgrundlage, der Rest ist top secret

Vom WSV Schmiedefeld ist alles für den großen Empfang vorbereitet. Mit einer herzlichen Gastlichkeit, Beifall, Jubel und den Ansagen der Zielsprecher wird man im Ziel von Einheimischen, Gästen, Begleitern empfangen. 73,5 Kilometer von Eisenach bis Schmiedefeld sind geschafft. Auch wenn man nicht der erste ist, ist jeder Rennsteigläufer ein Sieger. Jeder, der die Ziellinie erreicht, ist ein Held. Das kann man allen unschwer ansehen. Egal welche Strecke, egal welches Tempo...

Ab gehts zur Gepäckwiese, dann zur Dusche. Anschließend Urkunde abholen, sowie das neue Finishershirt in gänzlich neuem Design und ein wohlverdientes Köstritzer Schwarzbier genießen. Anschließend gehe ich langsam noch voller Emotionen und Adrenalin bergab zum Shuttle-Bus, der mich nach Eisenach zurückbringen soll.Etliche Sportler schlafen schnell ein, andere surfen in den Ranglisten und ich bin endlich wieder online. Jetzt kann ich endlich auf "Whatsapp" und "Facebook" meinen bis dato größten Erfolg mitteilen. Auf der ganzen Strecke hatte ich nämlich keinen Handy-Empfang.

Fazit
Deutschlands beliebtestes Laufereignis sollte sich keiner entgehen lassen! Hier stimmt einfach alles.
Natur vom Feinsten, schöne Wege, Top-Versorgung. Super-Super-Marathon und eine persönliche Erinnerung.
Es war mein erstes Mal und ich bin zutiefst beeindruckt, was da alles auf die Beine gestellt wird, um diesen Tag perfekt zu machen. Ein riesiges Dankeschön an alle Organisatoren, den vielen fleißigen Helfern und Betreuern und nicht zuletzt an alle Läufer, die dieses Event für mich zu einem unvergesslichen Tag haben werden lassen. Tausend Dank, ihr ward alle Meeegaklasse.

Vom Start an hatte ich das Glück mit der Autorin und Ultraläuferin Birgit Fender von "Marathon4You" zu laufen. Sie lief ein moderates Tempo und war bis zum Ziel immer in meiner Laufgruppe.

http://www.marathon4you.de/laufberichte/gutsmuths-rennsteiglauf/einmal-rennsteig-immer-rennsteig/3366

Auf der Laufstrecke traf ich noch alte Bekannte vom Laufclub 21, nämlich Olaf Schmalfuß und Didi Beiderbeck, sowie Angela Bleichner. Bei km 63 traf ich Angela erneut und lief mit ihr die letzten 10 km ins Ziel.
Dies war mein allererster Ultralauf.

Euer Coach Werner Schweidler vom Laufclub 21

Mit sportlichen Grüßen

Werner Schweidler

 

Laufclub 21 | Eichenstraße 61 | D-90768 Fürth
Telefon: 0911 / 72 05 66
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